(Online-Artikel.de) - Auf die Mischung kommt es an

Während in Deutschland noch immer über die Sicherung der Renten gestritten wird, haben andere Länder längst gehandelt. Dabei zeigt sich: Ohne Einbeziehung der Kapitalmärkte geht es auf Dauer nicht.
Es gab einmal eine Zeit, in der Amerikaner, Schweizer und Holländer Deutschland besuchten, um dessen Sozialmodell zu studieren. Sie bewunderten dieses Modell. Doch das ist lange her, heute wundern sie sich nur noch. Denn das Land hat es versäumt, die Sozialsysteme den Rahmenbedingungen anzupassen, die sich im Laufe der Jahrzehnte gravierend verändert haben. Als Vorbild taugt Deutschland längst nicht mehr.
Andere Länder sind heute viel weiter
Das gilt auch für das Thema Altersvorsorge. Hier zu Lande waren es schon Kraftakte, die künftige Lebensarbeitszeit in kleinen Schritten bis zum 67. Lebensjahr zu verlängern und mit der Riester-Rente das Element der kapitalgedeckten Altersvorsorge zu stärken. Andere Länder sind da wesentlich radikaler und erfolgreicher vorgegangen.
Rentensysteme sind nach dem Umlage- oder dem Kapitaldeckungsverfahren organisiert (siehe Lexikon). Das Umlageverfahren ist stark von der Bevölkerungsentwicklung abhängig. Je mehr Junge nachrücken, desto mehr Geld fließt in die Rentenkasse. Beim Kapitaldeckungsverfahren hängt der Ertrag dagegen vom Wohl und Wehe der Finanzmärkte ab. Haussieren die Börsen, können die künftigen Rentner mit hohen Erträgen rechnen, bei längerer Baisse fallen sie niedriger aus.
Am besten - so die Ökonomen - fahren Länder, die beide Ansätze etwa im Verhältnis 50 zu 50 mischen. Auf diese Weise lassen sich die Folgen eines andauernden Bevölkerungsrückgangs - den alle Industriestaaten zu verkraften haben - abfedern. In Deutschland ist die demographische Entwicklung besonders ungünstig. Umso fataler ist, dass noch immer 85 Prozent der Alterseinkommen aus der - Umlagefinanzierten - Gesetzlicher Rentenversicherung stammen. Das zeigt, dass die deutschen Politiker ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Deutschland: zu umlageorientiert 
Das System
In kaum einem anderen Land sind die Ruheständler noch so sehr von der staatlichen Rente abhängig wie in Deutschland: Sie macht im Schnitt 85 Prozent der Rentnereinkommen aus. Trotz Riester-Reform besteht bei der betrieblichen und der privaten Vorsorge noch erheblicher Handlungsbedarf.
Bewertung
Die staatliche Rente ist nach dem Prinzip des Umlageverfahrens organisiert. Wegen der seit langem extrem niedrigen Geburtenrate in Deutschland fließt deshalb tendenziell immer weniger Geld in die Rentenkasse. Der zügige Aufbau einer kapitalgedeckten Versorgung ist dringend geboten.