Alt und Neu im Konvoi
Wo wäre eine Ausstellung alter Schlepper-Schätzchen besser aufgehoben als am Rande der "24h Vulkan-Trophy"? Besonders faszinierend dabei war, dass den Oldtimern auch Traktoren der neuesten Generation gegenübergestellt waren. Die etwa 10 000 Besucher der Vulkan Trophy, bei der Oldtimerschlepper ein Rennen über 24 Stunden fuhren, waren sehr interessiert an den Universalgenies der Felder. Kein Wunder, dass die Ausstellung entsprechend gut frequentiert war. Dank Liebhabern wie Harry Kurtz konnten auch so manche Teile an den heimischen Traktoren wieder flott gemacht werden, denn hier gab es Ersatzteile, die so schnell niemand mehr hat. Harry, der sich selber als "Trödler" bezeichnete, und sein Bekannter Reinhold Diehl vom Hof Diehl Grünberg, waren dann auch genau die richtigen Kenner, die gerne einiges über die Historie der Feldrösser zum Besten geben konnten. Auch wenn die Fahrzeuge unterschiedlich aussehen und rund 60 Jahre zwischen ihnen liegen, so hat sich am Grundprinzip von Motor, Getriebe, Kupplung und Übersetzung der großen Hinterräder doch nicht viel geändert. Riesige Unterschiede allerdings liegen in der Elektronik, heute lässt der moderne Landwirt schalten.
Pionier der Trecker, so erklären die beiden Kenner, war Hermann Lanz, der etwa 1921 den "Eisenmops" mit satten 8 Pferdestärken baute. Auch die Firma Fendt aus Marktoberndorf kam mit ihrem 6 Pferde starken "Dieselross" hinzu. Diese ersten "Pferdeersatze" war noch eisenbereift, was für die Nachfolgemodelle bis Anfang der 30er Jahre galt. Bis Mitte-Ende der 30er folgten dann Modelle, die vollgummibereift waren und erst dann folgte die Luftbereifung, wie wir sie heute kennen. Zu der Zeit kamen als wichtigste Mitbewerber noch Firma Deutz aus Köln-Deutz und Hanomag aus Hannover ins Spiel, doch Lanz blieb der Marktführer.
Allen gemeinsam war damals das Vorglühen, eine umständliche und zeitaufwendige Prozedur, bei der zunächst mit einer Spritlampe der Glühkopf auf 600 Grad vorgeheizt werden musste und erst dann konnte mit einem Antriebsrad, das meist gleichzeitig auch Steuerrad war, das Schwungrad und somit der Trecker angelassen werden. Klar, dass die Bauern da andere Systeme wollten. Mitte der 50er Jahre war der elektrische Anlasser von Deutz und Hanomag folglich ein echter Renner. Lanz war damit praktisch passé und so richtig erholt haben sie sich davon nicht. Schließlich wurde in einer Art feindlicher Übernahme 1958 die Aktienmehrheit bei Lanz von John Deere übernommen, die jetzt führend sind. Heute liegt der Schleppervertrieb fast ausschließlich in den Händen von AGCO, einem amerikanischen Konzern, der etwa 25 Marken vertreibt, darunter auch Fendt und Massey-Ferguson.
Heute sind die Schlepper wahre PS-Protze, die unglaublich viel Variabilität ermöglichen. Ohne diese "High-Tech-Riesen" wäre die moderne Landwirtschaft überhaupt nicht denkbar. Obwohl bei einigen Modellen heute schon kein Fahrer mehr erforderlich ist und die Riesen dank Sattelitenunterstützung zentimetergenau navigieren und ihre präzise Arbeit verrichten, ist es doch tröstlich, dass die Technik des Gefährtes selber sich nicht so verändert hat und dass die "kleinen Oldtimer" immer noch treu und brav ihren Dienst verrichten und immer noch von ihren stolzen Besitzern liebevoll gehegt und gepflegt werden. Besonders schön ist dabei, dass viele Besucher sichtlich fasziniert von den alten Schönheiten waren. Besonderen Spaß hatten dabei die Kinder, die auf den verschiedenen Fahrersitzen Platz nahmen und mit begeistertem "Brrrrmmmhhh, brrrrmmmhhh" in ihrer Fantasie über das Land fuhren.
Barbara Hoppe