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(Online-Artikel.de) - Zum Thema Arbeit haben wir jede Menge Volksweisheiten im Kopf. Aber treffen sie heute noch zu? Wir haben den Wahrheitsgehalt von bekannten Leitsätzen gecheckt
Spruchweisheiten begegnen uns nicht nur auf Abreiß kalendern oder in der Rede des Seniorchefs: Oft schwirren sie uns im Hinterkopf herum und beeinflussen unbewusst unser Handeln im Job. Nicht immer positiv. Denn oft wirken diese als feste Wahrheiten verinnerlichten Maximen wie Blockaden - schließlich hat sich seit Uromas Zeiten einiges verändert in der Arbeitswelt. Es lohnt sich also, die Sprüche aus dem Volksmund auf ihren aktuellen Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen.
Ohne Fleiß kein Preis
„So spießig es klingt - an diesem Spruch ist schon etwas dran", sagt Job-Coach Gitte Härter. „Sicher gibt es Ausnahmen, doch hinter den meisten Karrieren steckt eben viel Engagement." Damit ist nicht gemeint, dass Sie als Erste ins Büro kommen und als Letzte gehen müssen. Sondern dass Sie an sich arbeiten und Schwächen in Angriff nehmen sollten. Denn Fleiß und ein langer Atem können Sie im Job weiterbringen als Talent allein. Eine Studie der Uni Pennsylvania zeigte, dass Selbstdisziplin bei Schülern die Noten stärker beeinflusst als der Intelligenzquotient. Suchen Sie sich deshalb Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, nur so können Sie vollen Einsatz bringen. Aber: Teilen Sie Ihre Kräfte ein und setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck - wenn Sie überarbeitet sind, passieren leicht Fehler.
Wahrheitsgehalt: 90 Prozent
Viele Köche verderben den Brei
Ist es tatsächlich besser, Aufgaben nicht im Team, sondern allein zu lösen? „Nein, ein Egotrip hat keinen Sinn, denn die meisten Projekte wären ohne Teamarbeit nicht denkbar", meint Gitte Härter. In einer produktiven Gruppe sind verschiedene Qualitäten gebündelt, die ein einzelner Mitarbeiter gar nicht haben kann. Wer ist schon gleichzeitig Diplomat, Analytiker und kreativer Kopf? „Damit die Teamarbeit nicht im Chaos endet und ein Ansprechpartner durchblickt, braucht man eine Art Chefkoch", weiß die Expertin. „Das muss kein Vorgesetzter sein, der die volle Verantwortung trägt, sondern kann bei einzelnen Aufgaben wechseln." Allerdings sollte die Zahl der Teammitglieder überschaubar bleiben: Fünf bis sieben Mitarbeiter sind ideal, bei mehr als zwölf bilden sich schnell Cliquen, die bei Konflikten gegeneinander arbeiten.
Wahrheitsgehalt: 10 Prozent
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Ein Spruch, der im Gedächtnis haftet – vielleicht weil Mutti so argumentierte, wenn wir früher „Bonanza" spannender fanden als die Hausaufgaben. Auch heute arbeiten die meisten nach dem Prinzip: erst die nervige Datenbank anlegen, dann in die Kaffeepause. „Im Prinzip eine sinnvolle Strategie, denn so kann man sich motivieren", meint Gitte Härter. Und: Kleine Unterbrechungen wirken besonders erholsam, wenn vorher eine Aufgabe erledigt wurde. Das Thema wird im Kopf abgehakt, Sie können abschalten und beginnen nach der Pause mit etwas Neuem. Wenn Sie einen umfangreichen Auftrag in Angriff nehmen, sollen Sie natürlich nicht nonstop durchpowern und erschöpft in den Feierabend starten. Studien zeigen: Die meisten Menschen können sich höchstens eineinhalb Stunden konzentrieren, dann brauchen Sie ein Mini-Vergnügen – und wenn Sie nur mit der Kollegin plaudern oder eine Banane essen. Entwickeln Sie ein Gespür für Ihren toten Punkt.
Wahrheitsgehalt: 80 Prozent
Schuster, bleib bei deinem Leisten
Wenn das bedeutet, dass wir immer nur machen sollten, was wir gelernt haben, würden wir uns ganz schön ausbremsen. „Neugier ist eine wichtige Eigenschaft für Erfolg im Job, sonst bewegt man sich auf der Stelle", meint Gitte Härter. Das gilt auch, wenn am Arbeitsplatz neue Abläufe, Hierarchien oder Computerprogramme eingeführt werden. Eine gute Chance, den Horizont zu erweitern. Andererseits kritisiert der Spruch die Unsitte, bei Themen mitzumischen, von denen man keine Ahnung hat. Das gilt nicht nur für Teamsitzungen in der Firma, sondern auch für Selbstständige: Wer eine neue Firma gegründet hat, neigt dazu, jeden Auftrag anzunehmen – egal ob er sich auskennt oder nicht. In letzterem Fall sollte man den Job lieber abgeben oder vorher genau kalkulieren, wie sich das Risiko für den Kunden einschränken lässt.
Wahrheitsgehalt: 50 Prozent
Bescheidenheit ist eine Zier
So steht es im Poesiealbum – und leider auch in vielen weiblichen Köpfen. „Viele Frauen setzen immer noch auf Understatement, sagen nicht, was sie eigentlich können und schon geleistet haben", kritisiert Gitte Härter. „Und dann spielen sie oft auch noch Komplimente herunter, statt sie einfach anzunehmen." Dabei wirkt ein zu „bescheidenes" Selbstmarketing als Karrierebremse: Eine Studie der Universität Berlin ergab, dass der Erfolg einer Bewerbung enorm von der Selbstdarstellung im Vorstellungsgespräch beeinflusst wird. Das bedeutet nicht, dass Sie überall mit Ihren Leistungen angeben sollten. Wichtig ist, dass Sie Präsenz zeigen, wenn's drauf ankommt – auch zusammen mit Kollegen das Rampenlicht teilen, wenn gemeinsame Erfolge präsentiert werden. Das können Sie auch lernen, wenn Sie eher ein zurückhaltender Typ sind. Erste Schritte: Bringen Sie überraschende Ideen ein, stellen Sie kluge Fragen, äußern Sie Kritik.
Wahrheitsgehalt: 0 Prozent
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