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Alles eine Frage der Relation

Autor: revhoros | Erstellt am: 06.04.2011 | Gelesen: 496
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Der Blickwinkel des Betrachters, beeinflußt das Subjekt des Betrachters.Das hat die Wissenschaft zwischenzeitlich auch schon entdeckt!

Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Viel Unzufriedenheit entsteht dadurch, weil wir dazu neigen, oft­mals das zu sehen, was wir gerade nicht haben. Wir schauen auf Dinge, die uns fehlen, die wir gerne anders hätten oder ärgern uns über das, was uns an einer Situation nicht gefällt. Wir setzen vieles, was wir momenta­nen erleben, in Relation zu dem, wie wir es gerne hätten und schüren damit ständig unsere Unzufriedenheit, indem wir eine unüberwindbare Schlucht zwischen der akut erfahrenen Realität und unserem Wunschden­ken errichten. Anstatt uns dem Positiven im gerade Erlebten zuzuneigen, schauen wir in einer Art schlechten Angewohnheit in Richtung Leid und erzeugen dadurch ein sich selbst aufladendes Spannungsfeld der Frustra­tion. Die Technik, mit der ich dieser Gewohnheit entgegenwirke, ist eine der simpelsten Anwendungen, die mir bekannt ist, und zeigt in der Praxis höchste Effizienz. Um diese für mich zu nutzen, muß ich selbstverständ­lich erst einmal eine gewisse Sensibilität entwickeln, die es mir ermög­licht, daß ich meine unbewußteEntscheidung, unzufrieden zu sein entde­cke. Wenn ich dies erkennen kann, also meine freie Beteiligung daran zugeben kann, ist die praktische Umsetzung der Technik sehr einfach. Ich setze das, was ich gerade erlebe, in eine Relation, also in eine reale Be­ziehung zu dem, was mir Frieden, Ruhe und Dankbarkeit schenkt. Beim Ärgern denke ich an etwas Erfreuliches, in Furcht erinnere ich mich an etwas Vertrauenschenkendes, in Erregung schaue ich auf etwas Frieden und Ruhe Gebendes. Falls dies aus einer ehrlichen Betrachtung auf Ge­fühlsebene geschieht, ist das Ergebnis unwillkürlich und untrüglich zu spüren. Sofort fühle ich mich deutlich angenehmer, und in mir entsteht Zufriedenheit über das, was ich habe, und es weicht die Unzufriedenheit über das, was ich eben nicht habe. Drei alltägliche Beispiele führe ich an:

Ich befinde mich gerade mit meinen vielen schweren Einkaufstü­ten auf dem Rückweg zu meinem Domizil und entdecke, daß ich eine Endlos Schleife des Fluchens starte, um mich über die mir auferlegte ungerechte Anstrengung zu beklagen. Ich beschwere mich über den Um­stand, daß ICH so gestraft bin (von wem oder was auch immer), diesen „beschwerlichen Gang" tätigen zu müssen. Ich wünsche mir, daß es nicht so wäre, nehme also Beziehung zu dem auf, was ich nicht habe, verleugne das „positive Element des Moments" (was in diesem Falle der Besitz voller Einkauftüten ist) und steigere mich hinein in die Unzufriedenheit. Mithilfe der Technik setzt dann bei mir eine Eigendynamik ein, und ich erinnere mich, daß es schön ist, daß ich in der Lage bin, einkaufen zu können, daß ich Geld habe, womit ich bezahlen kann, daß ich Füße habe, mit denen ich mich fortbewegen kann, daß ich Hände zum Tragen des Einkaufs besitze. Wenn ich in dieser Beziehung zur Wirklichkeit ange­kommen bin, also echt spüre, daß dies ein Aspekt der Realität ist, erwärmt Dankbarkeit sofort mein Herz, und ich fühle mich wunderbar, beschenkt und damit zufrieden, wie es ist.

Ich befinde mich gerade in einer gefühlsintensiven Situation. Vielleicht habe ich Konflikte mit meinem Partner, bin erkrankt oder er­lebe den Verlust eines Liebenden und bin scheinbar gefangen im sich immer wiederholenden Wunsch, daß es doch anders wäre, nicht stattfände oder ich nicht anwesend wäre. Es ist dann wahrscheinlich so, daß ich die Situation, die Realität nicht anerkenne, also verweigere, im Jetzt anzukommen, und im Kreislauf des sich wiederholenden Wunsches, glücklich zu sein, festsitze, mich wehre, das Unangenehme erfahren zu müssen. Dann kommt der Punkt, an dem ich mich erinnere, daß es ein Geschenk ist zu fühlen, wahrzunehmen, zu atmen; daß es ein Wunder ist, am Leben zu sein. Und ich erinnere mich, daß dies immer zutrifft, unab­hängig von den gerade bestehenden Umständen. Ich werde mir also be­wußt, daß meine Unzufriedenheit darauf beruht, daß ich das nicht haben will, „was das Leben eben ausmacht". Was bedeutet, daß mir dann be­wußter oder auch unbewußterweise klar wird, daß ich mir gerade wün­sche, nicht zu existieren, nicht am Leben zu sein, und dies erweckt in mir sofortige Dankbarkeit über den faktischen Umstand, tatsächlich am Leben zu sein, Leben zu haben, hier sein zu dürfen, Gefühle haben zu können.

Und um die Beispielrunde zu schließen, möchte ich als letztes ein Sprichwort erwähnen, das ich vor langer Zeit einmal hörte und welches mich seitdem durchs Leben begleitet. Ein paar wenige Worte, welche die Essenz der von mir angewendeten Technik ungetrübt auszudrücken ver­mögen: „Wenn du dabei bist, auf dich selbst zu schauen und dich über deine Schuhe zu beschweren, dann schau auf den, der keine Füße hat." Dies beschreibt die Auswirkung unserer Relation, unserer Beziehung zu den Dingen vortrefflich. Befinde ich mich im „Beschwerde Modus", ärgere mich also über das, was ich nicht habe, ernte ich nichts als Unzu­friedenheit. Kann ich mich jedoch erinnern, daß das, was ich momentan habe, erlebe und fühle, mein Vermögen ist, dann kann ich mich über das, was ich gerade besitze, erfreuen, und ich erfahre tiefe Dankbarkeit und Frieden.

 
 
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