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Aleviten empört! Hatte ARD (NDR) das wirklich nötig?

Autor: DaYFlaMe | Erstellt am: 27.12.2007 | Gelesen: 7658
Kategorie: News & Pressetexte | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Juden, Einwanderer oder nationale Minderheiten im deutschen Fernsehen - das ist immer noch der Gang durch ein Minenfeld, auf dem die Sprengsätze der Political correctness häufig die treffen, die die es besonders gut meinen

tatort - alevitenDie Aleviten in Deutschland haben jetzt in Berlin Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Sie wollen damit gegen den Tatort "Wem Ehre gebührt" protestieren, der am letzten Sonntag in der ARD ausgestrahlt wurde. Ali Ertan Toprak, der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, sagte der Netzeitung, der Plot wiederhole "genau die Vorurteile, mit denen die Aleviten seit Jahrhunderten verfolgt und bis heute diskriminiert werden".

Hauptkommissarin Charlotte Lindholm, gespielt vom deutsch-blonden Publikumsliebling Maria Furtwängler, ermittelt im "türkischen" Milieu: Die Deutschtürkin Afife (Sersede Terzyan) wird erhängt von ihrem Mann (Hakan Can) aufgefunden. Was denkt der Zuschauer bei einer Toten im Krimi und mehr als einem Kopftuch? Richtig: Ehrenmord. Das kennt man ja von den Muslimen im Allgemeinen und den Türken im Besonderen.

Politisch gut gemeint ist die Idee, die Kommissarin zunächst in diese Richtung ermitteln zu lassen. Ko-Ermittler Cem Aslan (Mehmet Kurtulus) darf der Furtwängler ständig ein schlechtes Gewissen einreden, indem er ihr alle Klischees über türkische Einwanderer um die Ohren schlägt. Man ahnt: Ein Tatort ist viel zu anspruchsvoll für derart einfache Lösungen. Die Regisseurin und Autorin des Drehbuchs, Angelina Maccarone, sagte in einem Interview: "Ich setze bei diesen Erwartungen an, um Lindholm einige Male in die Irre laufen zu lassen und um beim Zuschauer einen wie ich hoffe umso größeren Überraschungseffekt zu erzielen." Das ist gründlich misslungen: Ein penetranter pädagogisch wertvoller Wink mit einen mittelgroßen Zaunpfahl, um Allahs Willen nicht schon wieder Vorurteile zu haben, ermüdet eher als dass er etwas verändert.

Zwischendurch wird im Film noch eine weitere falsche Fährte in das Raubkopierer-Milieu gelegt. Dann aber muss auch noch Selda (Aylin Tetzel), die Schwester der ersten Toten, dran glauben - Selbstmord oder Mord? Wenn bis zur Mitte eines in Deutschland spielenden Films, in dem viele Türken herumlaufen, keine Nazis vorgekommen sind, weiß man: Es handelt sich garantiert um ein psychologisches Drama innerhalb einer Familie "mit Migrationshintergrund", wie man im Multikulti-Neusprech zu radebrechen pflegt. Wenn türkische Töchter sich zu sehr emanzipieren, gegen die Wand laufen und wie das alles melodramatisch endet. Die Wahrheit ist in diesem Tatort gewohnt "erschütternd": Inzest zwischen dem Vater und seiner jüngsten Tochter, also sexueller Missbrauch. Schlimmer geht's nimmer.

Wenig überraschend ist das Statement des NDR, es gehe in dieser Tatort-Folge "nicht darum, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern". Wenn das gesondert festgestellt wird, könnte man fast vermuten, in anderen Folgen sei das anders. Angelina Maccarone, "eine der wichtigsten zeitgenössischen Filmemacherinnen Deutschlands", habe erklärt:

Dieser Fall - denn es handelt sich um einen Krimi - könnte so in jeder Familie überall auf der Welt passieren, egal ob deutsch oder türkisch.

Exotische Staffage mit unbedachtem Hintergrund?
Das ist wahr und falsch zugleich. Natürlich kann man jeden dramatischen Plot mit unterschiedlichem Ambiente als Staffage aufführen – den Science-Fiction-Film "Outland" etwa als Western, und Casablanca als Theaterstück mit Kostümen aus der Shakespeare-Zeit. Falsch ist aber, dass es der Aleviten bedurft hätte, um genau diesen Tatort-Plot zu realisieren.

Zwei Motive sind auf den ersten Blick denkbar: Da die türkischen Einwanderer in Deutschland zum Einen fast immer auf den sunnitischen Islam reduziert werden und kaum einer weiß, dass mehr ein Viertel der Deutschtürken Aleviten sind, ist ein Tatort eine probate Methode, die liberale quasi-schiitische Religion, die auch von der Schari'a nichts wissen will, ins Feuilleton zu pushen. Der theologische Unterschied zwischen Aleviten und den Sunniten ist größer als der zwischen Katholiken und Protestanten. In den deutschen Medien kommt das aber mit wenigen Ausnahmen so gut wie nicht vor. Zudem erkennt die Türkei die Aleviten als Religionsgemeinschaft nicht an, obwohl die Aleviten sogar in der Kurdenfrage die offizielle Staatsmeinung vertreten, also sich strikt gegen einen kurdischen Nationalismus wenden.

Zum Anderen muss man die Autorin fragen, ob die Aleviten schlicht als exotische Staffage gemeint sind oder ob das Thema für den Plot tragend ist. Man muss befürchten, dass Letzteres der Fall ist. Der orthodoxe Islam taucht indirekt auf, als Folie, vor dem sich die Religiosität der Familie spiegelt. Die jüngere Tochter Selda trägt ein Kopftuch, obwohl das gerade alevitische Frauen nicht tun. Sie bekennt sich damit symbolisch - im Gegensatz zu ihrer Familie, aus die sie flüchten will - zu denen, die den Aleviten über Jahrhunderte "Blutschande" vorgeworfen heben - den Sunniten.

Dieser Vorwurf ist vergleichbar mit dem des Ritualmords an christlichen Kindern, der den Juden über Jahrhunderte in Europa zum Vorwurf gemacht wurde, um sie zu diskreditieren. Sogar in der Türkei der Neuzeit gab es Pogrome und Anschläge gegen Aleviten. Dieser Hintergrund erschließt sich jemandem, der ein Drehbuch schreibt, schon bei der Lektüre des einschlägigen Wikipedia-Artikels. Der Comedy-reife Hinweis im Vorspann des Tatorts, die Handlung sei "fiktiv", ändert nichts an der historischen Brisanz. Ebenso könnte man - überspitzt formuliert - einen Film drehen, der den Völkermord der Türken an den Armeniern leugnet und im Vorspann behaupten, es sei alles nur Belletristik und zur Unterhaltung gedacht.

Hier ein sehr interessante Zitat vor der Bochumer Arzt Dr. med. Kerem Bulut polemisch:
"Ich nehme an, daß Ihre Drehbbuchautorin Frau A. Macarone offensichtlich beim Schreiben des Drehbuches von sunnitischen Beratern instrumentalisiert worden ist. Als plausibles Indiz ist hier die subtile Botschaft, nämlich "der Rettungsanker sunnitischer Islam" für das arme, vom alevitischen Inzest-Papa missbrauchte Kind. (Motto: "Lieber Kopftuch, als von Papa missbraucht zu werden"). Der Schwiegersohn, ebenfalls ein anständiger Sunnite - klar, was sonst? -, war hier ein durchweg gläubiger und integrer Mann. Applaus! Bravo! DITIB und Milli Görüs danken! Soviel Propaganda vom deutschen Fernsehen ist mehr als man zu träumen wagte."

Mit vertauschten Rollen - der Vater und Mörder ein gläubiger Muslim und Sunnit - und der integre Schwiersohn ein Alevit - das hätte in der muslimischen Community einen kollektiven Aufschrei der Empörung gegeben, der bis in die Medien der Türkei geschwappt wäre. Der Tatort Angelina Maccarones sucht sich leider den bequemsten Weg: Man eckt nur bei denen an, die die schwächste Lobby besitzen. Man darf daher gespannt sein, wann der Plot von Rainer Werner Fassbinders [extern] Der Müll, die Stadt und der Tod in einen Tatort einfließt. Ein reicher Jude und Immobilienspekulant, der ein Strichmädchen tötet: "Das kann überall auf der Welt passieren, egal ob deutsch" oder israelisch - oder türkisch.

Wem Ehre gebuehrt

Quelle: heise.de

Hier die Pressemitteilung des Senders NDR:
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NDR nimmt Kritik an Tatort-Folge "Wem Ehre gebürt" ernst

Hamburg (ots) - Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) nimmt die Kritik der Alevitischen Gemeinde Deutschlands an dem Tatort "Wem Ehe gebührt" ernst. Volker Herres, Programmdirektor Fernsehen, betont: "Es geht in dieser Tatort-Folge nicht darum, religiöse Gefühle zu verletzten oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern."

Angelina Maccarone, Drehbuchautorin und Regisseurin des Tatorts, erklärt: "Dieser Fall - denn es handelt sich um einen Krimi - könnte so in jeder Familie überall auf der Welt passieren, egal ob deutsch oder türkisch. Die Vorurteile, die alle Gruppierungen gegeneinander hegen, lassen letztendlich alle nur in die Irres laufen und tragen zur Aufklärung nicht bei. Die Tat des Vaters wird in keiner Wiese von seiner Religion getragen oder gerechtfertigt. Im Gegenteil: Kommissar Aslan, selbst Alevit, steht am Ende ebenfalls fassungslos vor der Erkenntnis, welches Drama sich in der Familie abgespielt hat."

Der Tatort "Wem Ehre gebührt" hat in der Presse eine sehr positive Resonanz erfahren: Zitat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Dieser Tatort basiert auf der Prämisse, dass die Wahrheit einer Familiengeschichte individuell und vielschichtig ist."

Zitat Süddeutsche Zeitung: "Der Tatort weckt beim Zuschauer die Sensibilität dafür, wie ausdifferenziert die Migrantenszene ist - und wie wenig Deutsche darüber wissen."

Pressekontakt:
NDR Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Telefon: 040 / 4156 - 2333
Fax: 040 / 4156 - 2199
r.plessmann@ndr.de 
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Hintergrund-Info
In Deutschland zählt schätzungsweise ein Drittel der türkischen Immigranten zu den Aleviten. Die Alevitische Gemeinde Deutschlands, Dachverband der 112 alevitischen Gemeinden, ist bislang die einzige islamische Organisation, die als eigenständige Religionsgemeinschaft in Deutschland anerkannt wurde. Seit 2002 verantwortet sie in Berlin Religionsunterricht, ab 2008 auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.

Aleviten glauben zwar wie die Schiiten an Ali als rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammeds, sind aber selbst keine Schiiten. Weil ihre eigenständige Glaubenstheologie unter anderem die Scharia sowie das Tragen des Kopftuches bei Frauen ablehnt, gelten sie als verhältnismäßig liberal und werden deshalb seit Jahrhunderten von Fundamental-Gläubigen immer wieder verfolgt und diskriminiert.

Die Gemeinde plant bereits am kommenden Samstag eine Großdemonstration in Köln.
Als Begründung ihres Protests nennt die Glaubensgemeinschaft historische Erfahrungen, wonach bereits während der osmanischen Zeit von sunnitischen Muslimen unbegründet behauptet worden sei, dass Aleviten in ihren Gemeinden Inzest betrieben hätten. Solche Diffamierungen seien schon damals zum Zweck der Unterdrückung des Alevitischen Glaubens verbreitet worden, argumentiert die Gemeinde. Bis heute seien derartige Beschuldigungen und Vorurteile unter fanatischen Sunniten gegenwärtig.
 
 
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comment Kommentare von Besucher !

Gepostet von binali yakit am 29.12.2007
sind es wirklich nur Muslime die sich immer angegriffen fühlen und nich tolerant genug sindßmachen sie oder sagen mal was gegen oder über juden? ODER ?WARUM WOHL nicht weil feige ist sondern noch dazu einfach unmenschlch ist über werte von anderen völker sich zu amüsieren!ABER MANCHMAL MUSS ICH MICH WIRKLICH FRAGEN GELTEN DENN MENSCHLICHE WERTE NOCH?


Gepostet von BINALI YAKIT am 29.12.2007
WIRKLICHKEIT VÖLLIG FUNDAMENTALISTICHE GAR noch dazu ganz radikal RASSISTICHESCHE ABER NACH AUSEN HIN ANGÄBLICH VÖLLIG HOMOGENE) TÜRKISCHE ISLAMISTEN HABEN DURCH JAHR ZEHNTE LANGEN GANZ DISZIPLINIERTEN ANSTREBUNGEN UND DER MASSIVES UNTERSTÜTZUNG DER TÜRKISCHEN STADT SICH IN DEUTSCHLAND EIN NICHT ZU VERACHTENDES LEGITIMATION ERWORBEN!DIE FOLGEN DAVON SIND UNFASSBARE LEBENS WICHTIGEN SO WOHL IN SOZIALPOLITISCHE ALS AUCH IN WIRTSCHAFTLISCHEN BEREICHEN GANZ RADIKAL GEFLOCHTENEN SEHR DURCHDACHTES UND EFIZIENT STRUKTURIERTEN ORGANISATIONEN GEBILDET !!NOCH DAZU MIT VIELEN KOMUNALEN UND BUNDESWEIT ZUSTÄNDIGEN BEHÖRDEN UND MEDIEN UNFASSBARES WIRKUNGSVOLLE VERBINDLICHKEITEN UND GEMEINSAMKEITEN ENTSTEHEN LASSEN DIE SIND GANZ BEWUSST UND OHNE SCHAM SO WIE SIE IN DER TÜRKEI SCHON SEIT JAHRHUNDERTEN GEGEN MINDERHEITEN UND ANDERSGLÄUBIGEN IHRE HASS GEPRÄDIGT UND VERLEUMDUNGEN ERFOLGRTEICH PRAKTIZIEREN HABEN VERSUCHEN AUCH IN DEUTSCHLAND (WIE ES SCHEINT MIT ERFOLG) DIE MEINUNG BILDUNG DER DEUTSCHEN ÜBER DIE IN DER TÜRKEI LEBENDEN MINDERHEITEN UND ANDERS GLAUBIGEN VÖLLIG FÄLSCHEND ZU BEEINFLUSSEN!

Gibt’s TAUSENDE VÖLKER DIE HÄTTEN IN FRAGE KÄMEN KÖNNEN ABEER WARUM GERADE DAS VOLK DER SCHON IMMER VON DEN FUNDAMENTALISTEN AUS DER TÜRKEI NACH GESAGT WIRD DAS ES SO WAS TUEN !?DIE FRAGE IST WARUM MACHT DAS DEUTSCHE FERNSEHEN SO WAS MIT?

DAS ES MAL EINIGE DEUTSCHEN GEBEN WÜRDE DIE MIT DIESEN MENSCHEN FEINDLICHEN FUNDAMENTALISTEN AUS DER TURKEI GEMEINSAMM SO ETWAS MACHEN WÜRDEN ABER WARUM DAS DEUTSCHE FERNSEHEN?

ICH BEGREIFE ES NICHT WIE UND WARUM DASS DAS DEUTSCHES FERNSEHEN VON DIESEN VÖLLIG ABSURDEM UND MENSCHEN VERACHTENDEN, MENSCHEN FEINDLICHEN gedankengut GEBRAUCHT MACHEN KÖNNTE? ICH FRAGE MICH WELCHE GEWISSENHAFTER DEUTSCHE HAT DARA GEFALLEN GEFUNDEN?

ICH ENTSCHULDIGE MICH FÜR MEIN SCHLECHTE DEUTSCH UND SCHREIBFEHLERN!

Gepostet von orang-utan Klaus am 28.12.2007
Warum wird sich jetzt schon wieder über einen uninterresanten nicht besonders gut produzierten Film so aufgeregt. Komisch das sich immer Muslime von allem angegriffen fühlen. Wenn man in einem weltoffenen Staat lebt und alle Freiheiten genießt muss man auch damit leben können das auch mal was falsches über die ein oder andere Glaubensgesmeinschaft gemacht wird.

Gepostet von Salim am 27.12.2007
Ich verstehe es nicht warum immer Aleviten beleidigt und nieder gemacht werden,und gerade von einem deutschen Fernseher echt schade das ein Deutscher sender es raus gebracht hat .....

Salim

Gepostet von Canan am 27.12.2007
Also ich hätte das niemals von der ARD erwartet. Als Alevitin fühle ich mich sehr verletzt und demütigt. Warum Sie so eine heikle Thema, womit wir Aleviten seit jahrhunderten in der Türkei zu kämpfen haben, ausgerechnet von der ARD verfilmt wurden ist geht mir einfach nicht in den Kopf rein. Das wird wohl der Civis Beitrag seitens ARD (NDR) zur Integration und kulturelle Vielfalt in Europa sein...

Echt traurig :(







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