Artikel-Recherche: Titel Beschreibung   Erweiterte Suche

Albatrosse - Gefährdete Nomaden der Lüfte

Autor: karlowski | Erstellt am: 25.08.2008 | Gelesen: 33502
Kategorie: Energie - Klima & Umwelt | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
PDF Erstellen PDF Erstellen | Drucken Drucken | An Freund Senden Versenden

(Online-Artikel.de) - Die Zeiten der Seefahrerromantik sind für alle Albatrosarten längst abgelaufen, alle 21 Albatrosarten sind gefährdet oder akut vom Aussterben bedroht.

Albatrosse
Albatrosse
Sie sind die wahren und echten Flugkünstler mit der größten Spannweite unter den Seevögeln: Albatrosse. Stundenlang kann ein Albatross ohne einen einzigen Flügelschlag in den Lüften segeln, was bei Flügelspannbreiten von 2 bis 3,50 m, einer Körperlänge von bis zu 1,22 m und je nach Art zwischen 1 und 12 kg Körpergewicht gar nicht so einfach ist. Für ihre Flugkünste nutzen die majestätischen Riesenvögel, die zu den schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt zählen, Luftströmungen über der Meeresoberfläche und können dabei Geschwindigkeiten von 80 km/h oder mehr erreichen.

Sie sind Nomaden der Lüfte, die bis auf wenige Arten, getragen von ihren geschmeidigen Schwingen, schier unglaubliche Entfernungen zurücklegen. Über den gesamten Pazifik oder die südlichen Ozeane führen ihre Reisen. Selbst bei der Nahrungssuche für ihre Jungen schrecken sie nicht davor zurück, über 6.000 km weit zu fliegen. Geleitet von einem ungewöhnlich gut ausgebildeten Geruchssinn spüren sie Tintenfische, Krill, Oberflächen nah schwimmende Fische, Tran oder schwimmenden Abfall auf und fangen die Beute durch Eintauchen des Schnabels unter die Wasseroberfläche. Manche Arten können exzellent tauchen. Wie andere Seevögel trinken sie Meerwasser und scheiden das Salz durch Nasendrüsen wieder aus. Selbst auf große Entfernungen folgen sie Schiffen, lassen sich gerne, oft gemeinsam mit Kaptauben oder Riesensturmvögeln, auf dem Heck nieder, um sich mit den anderen Mitreisenden um Abfallbrocken aus der Kombüse zu balgen. Die Vögel mit dem charakteristischen kräftigen, gebogenen Schnabel, den großem Schwimmfüßen und der markanten meist schwarz-weißen Gefiederzeichnung boten viel Stoff für Seefahrerlegenden: So sollen die Seelen ertrunkener oder über Bord gegangener Kameraden in den grauen Rußalbatrossen weiter leben.

Doch die Zeiten der Seefahrerromantik sind für alle Albatrosarten längst abgelaufen. Heute ist die 21 Arten umfassende Albatros-Familie (Diomedeidae) unter allen Vogelfamilien diejenige mit der höchsten Zahl an vom Aussterben bedrohten Arten. Vom erst 1983 beschriebenen Amsterdaminsel-Albatros (Diomedea amsterdamensis) gab es 2002 nur noch fünf bis acht Brutpaare, heute soll der Bestand bei immer noch extrem kritisch wenigen 80 erwachsenen Exemplaren mit 18 bis 25 Brutpaaren liegen.

Fast alle Arten leben in der südlichen Hemisphäre, davon kommen allein 18 nur rund um Australien vor. Sind sie einmal in der Luft, bleiben sie meist auch da, entweder über den Weiten der Ozeane, wie der Graukopfalbatros (Thalassarche chrysostoma), oder über Küstengewässern wie der Weißkappenalbatros (Thalassarche cauta). Fast nur zur Partnerwahl, wenn sie mit sechs bis zehn Jahren die Geschlechtsreife erreicht haben, und zur Eiablage kehren sie auf festen Boden zurück, meist kleine unberührte Inseln. Die nach ausgedehnten Balztänzen in lebenslanger treuer Ehe vereinten Partner kümmern sich gemeinsam zwischen 110 und 304 Tage lang um das einzige Jungtier. Seine Nahrung besteht aus ausgewürgtem öligen Tran, den die Eltern aus der aufgenommen Nahrung produzieren. Bis zu 1,8 kg des Energietrunks kann ein junger Albatros bei einer Fütterung verspeisen. Manche Arten pflanzen sich nur alle 2 bis 3 Jahre fort, andere brüten jährlich.

Obwohl mit einer Lebenserwartung von bis 85 Jahren ausgestattet, erreichen nur noch wenige der eleganten Flieger dieses für Vögel biblische Alter. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts sinkt Zahl der Albatrosse stetig. Schon die frühen Seefahrer aßen ihr Fleisch und die Eier, die sehr schmackhaft sind. Als ihre Federn für Bettzeug und Damenhüte immer beliebter wurden, begann der Mensch den Albatros intensiver zu bejagen. Ganze Kolonien wurden zerstört. Einige der einst unberührten Brutinseln nahmen Menschen in Besitz, die Vögel mußten weichen. Um Flugzeuge vor Zusammenstößen zu schützen, wurden Tausende der wertvollen Tiere getötet.

albatros

Bei Gefahr spucken Albatrosse mit guter Treffsicherheit Angreifern ihren tranigen Mageninhalt entgegen. Doch diese einzige Art der Selbstverteidigung ist wirkungslos gegen ihre größte Bedrohung: Die industrielle Langleinenfischerei. Dabei werden lange Leinen ausgeworfen, an denen alle paar Meter ein Haken mit einem Köder befestigt ist. Diese Leinen sind ca. 130 Kilometer lang und können mit mehr als 20.000 Köderhaken bestückt sein. Hauptzielarten dieser Fangmethode sind Thunfische und Schwarze Seehechte. Albatrosse können die Köder nicht von Fischen unterscheiden, sie stürzen sich auf die vermeintliche Beute, Widerhaken bohren sich durch Schnabel und Schlund, die großen Vögel werden unter Wasser gezogen und ertrinken. Auch im Südpolarmeer, bislang einsames Albatros-Territorium, werden die heimtückischen Leinen bereits eingesetzt. Über 100.000 Albatrosse, so wird geschätzt, sterben jährlich durch Langleinen und allein die illegale Fischerei von Fangflotten aus Lateinamerika und Skandinavien nach dem Schwarzen Seehecht hat in nur einem Jahr etwa 15 Prozent einiger Populationen getötet. Diese hohen Verluste sind kaum noch wett zu machen. Da jährlich schätzungsweise 200 Millionen Haken ausgebracht werden, sind mittlerweile alle 21 Albatrosarten gefährdet oder akut vom Aussterben bedroht.

Dabei lassen sich durch einfache Modifikationen am Fischereigerät die hohen Albatross-Beifangraten in der Langleinenfischerei drastisch senken - wenn man will. Seevögel stürzen sich meist beim Ausbringen (Schießen) der Leinen auf die Köder. Würden die Leinen durch ein bis in etwa 10 Meter Wassertiefe reichendes Rohr geschossen, können Albatrosse oder Fregattvögel nicht mehr nach den Ködern tauchen. Eine andere Methode sind sogenannte Vogelscheuchen-Leinen bei denen farbige Bänder die Vögel abschrecken. Immerhin ist diese Methode in Südafrika bereits vorgeschrieben, wird aber nur unzureichend angewandt.

Ein wenig Hoffnung für die einsamen Nomaden liegt vielleicht in den im November 2007 verabschiedeten Maßnahmen der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) gegen den Beifang von Seevögeln bei der Langleinenfischerei. Sie gelten für die Fischereiflotten der EU sowie 44 weitere Nationen, die im Atlantik mit Langleinen fischen. So soll jetzt vermehrt nachts gefischt werden, wenn die Aktivitätsrate der Seevögel gering ist, durch das Anbringen von Gewichten an den Fangleinen geraten die Köder außerhalb der Reichweite der Seevögel und es wurde der Einsatz von Vogelscheuchen-Leinen vorgeschrieben. Im Dezember 2007 verabschiedete die Fischereikommission für den Westlichen und Zentralen Pazifik (WCPFC), der die EU sowie 24 weitere Fischereinationen angehören, ähnliche Maßnahmen für den Pazifik.

Dass derartige Schutzmaßnahmen durchaus funktionieren können, zeigen die bereits 1991 von der Konvention zur Erhaltung der lebenden Meeresressourcen der Antarktis (CCAMLR) eingeführten Regelungen zur Reduzierung des Seevogelbeifangs. Die Beifangrate sank um 90 %. 2007 gab es in der Antarktis zum zweiten Mal in Folge keine Albatross-Beifänge mehr bei der überwachten und regulierten Langleinenfischerei.

© Ulrich Karlowski
 
 
Social Bookmark

Artikel Bewerten:  Schlecht Artikel ist Schlecht 1 2 3 4 5 Artikel ist Sehr Gut Sehr Gut  
Zuletzt gelesene Artikel in der Kategorie Energie - Klima & Umwelt:
Die Sanierung des Hauses ist auch mit geringem finanziellem Aufwand möglich
Heizung regelmäßig entlüften spart Kosten und sorgt für volle Effizienz
Solarförderung 2012 - Wohin führt der Weg
Dezentrale, effiziente und intelligente Energieversorgung
Günstige Energieeinsparpotenziale in Gewerbe und Industrie
Kostensenkung dank Contracting
Öko-Test über Forest Finance Stifterwald
Umweltfreundliche Verpackungschips

comment Kommentare von Besucher !

Noch kein Kommentar zu Artikel “Albatrosse - Gefährdete Nomaden der Lüfte”







Top | rss   
Designed by A2D Webdesign Agentur | Media-Netzwerk: MyPress World | MyPress DE | MyPress CH | MyPress AT | Online Article
OA-Services: Online PR-Blog | Webreporter | Know-How | Jobs & Stellenanzeigen | Presseportal | News | Branchenbuch

Copyright 2008 © Art2Digital InterMedia Solutions | ICRAchecked | Creative Commons License.