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Aktueller augenheilkundlicher Stand des Wissens über die Mouches volantes

Autor: Floco Tausin | Erstellt am: 12.07.2010 | Gelesen: 16465
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Aus der Wissenschaft: Mouches volantes (Eye Floaters)

So sehen Mouches volantes (Glaskoerpertruebungen) aus
So sehen Mouches volantes (Glaskoerpertruebungen) aus
Wenig Neues im Westen: Mouches volantes sind Glaskörpertrübungen, stören die wenigsten Leute und können in Einzelfällen durch die noch immer zuwenig erforschten off-label" Behandlungen (Laser und Vitrektomie) entfernt werden – mitsamt subjektivem Leidensdruck. Einige neuere Artikel über den „state of the medical art".

Definition „Mouches volantes"

Hollands et al. beschreiben Mouches volantes als graue oder dunkle Punkte, die sich im Gesichtsfeld bewegen. Sie kämen entweder durch Lichtbrechung an den Grenzflächen von mit Flüssigkeit gefüllten Ausbuchtungen (lacunae) oder Zellen im Glaskörper zustande. Krepler und Binder beschreiben sie als fibrilläre Strukturen, die aus gebündelten Kollagenfasern bestehen. Sie bilden sich aufgrund von altersbedingten Glaskörperveränderungen, v.a. durch die Destabilisierung des Kollagengerüsts und die Glaskörperverflüssigung (synchysis), die oft eine hintere Glaskörperabhebung (PVD) mit sich bringen. Auch bei Sendrowski und Bronstein sind Mouches volantes („floater symptomology") Kollagenfibrillen, die in Lakunen schwimmen. Zudem verweisen sie darauf, dass die Verflüssigung des Glaskörpers, und damit die Wahrnehmung von Mouches volantes, schon im frühen Alter anfangen kann und hier oft mit Kurzsichtigkeit (Myopie) zusammenhängt. Bei Patienten in fortgeschrittenem Alter werden Mouches volantes als durch Augenbewegung fliegende Mücken beschrieben, die auf hellem gleichmässigem Hintergrund gut zu sehen sind und bei Konzentration darauf wegfliessen.

Störende Implikationen

Die meisten Patienten können sich mit Mouches volantes arrangieren. Eine Minderheit fühlt sich jedoch durch die fliegenden Mücken stark beeinträchtigt, etwa beim Lesen oder Autofahren. Insbesondere gelte dies für Kurzsichtige, da diese die Trübungen durch den Vergrösserungsfaktor bei Myopie verstärkt wahrnehmen. Diese Patienten sind oft bereit, eine risikoreiche Behandlung aufzunehmen (Krepler/Binder, 2009; Sendrowski/Bronstein, 2010).

Pathologische oder „idiopathische

Pathologische oder „idiopathische" Mouches volantes? (Quelle)

Behandlungsmöglichkeiten und Risiken

Sendrowski und Bronstein ziehen die „konventionelle Therapie" für die üblichen Mouches volantes vor: Aufklärung und Beruhigung. In „seltenen" Fällen können Möglichkeiten für die „sekundäre" oder „off-label" Behandlung besprochen werden. Die Autoren beklagen bei dieser Gelegenheit die oft mangelhafte Beschreibung des YAG Laser und der Vitrektomie auf Internet-Webseiten. Damit bekräftigen sie die statistische Erhebung von Barbosa und Martins, die für das Jahr 2007 Webseiten über Mouches volantes auf ihren Informationsgehalt prüften und dabei feststellten, dass 53% der überwiegend kommerziell ausgerichteten Internet-Informationen im Sinne augenheilkundlichen Wissens mangelhaft sind.

Die zwei in der Literatur genannten Therapieansätze gegen Mouches volantes sind die Behandlung durch den Nd: YAG Laser und durch die Vitrektomie.

Laser

Für die Behandlung mit dem Laser liegen keine kontrollierten Studien vor, nur Fallberichte mit teilweise geringer Fallzahl. Die Laserbehandlung zielt darauf, die Trübungen mit dem Laserstrahl zu verkleinern oder, bei Vorliegen von mehreren kleinen Trübungen, die abgehobene hintere Glaskörpergrenzschicht zu treffen, um die Trübungen aus der optischen Achse zu entfernen. Patienten müssen mehrere Kriterien (z.B. Typ, Anzahl, Grösse, Ort der Mouches volantes) erfüllen, um Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung zu haben. Auch bei sorgfältiger Auswahl beträgt die Erfolgsrate nur zwischen 30% und 50%. Mögliche Nebenwirkungen sind Trübungen der kristallinen Linse, kleine Netzhautblutungen und Netzhautdefekte und –abhebungen. Die geringe Fallzahl lässt jedoch weder bei der Erfolgsquote noch bei den Nebenwirkungen Verallgemeinerungen zu (Krepler/Binder, 2009; Sendrowski/Bronstein, 2010).

Vitrektomie

Die Pars plana Vitrektomie wurde aufgrund der hohen Risiken (Netzhautdefekte, Netzhautabhebungen, Blutungen und Infektionen, Kataraktentstehung mit hoher Wahrscheinlichkeit) selten bei Mouches volantes angewendet. Neuere Fallstudien bescheinigen der Pars plana Vitrektomie jedoch eine überwältigende Erfolgsrate, wenn man die Patientenzufriedenheit betrachtet, nämlich gegen 100%. Objektiv werden sowohl Visusverbesserungen der Sehschärfe wie auch Visusverschlechterungen aufgrund Katarakt festgestellt, ca. je 30%. Über die Anwendung von modernen Mirkoinzisions-Vitrektomie (25-gauge, 23-gauge) und der dadurch erhofften Reduzierung von Netzhautdefekten und –abhebungen, kann noch nichts ausgesagt werden, da Studien über ihre Wirksamkeit fehlen. Trotzdem wird sie an Patienten mit symptomatischen Mouches volantes durchgeführt (Krepler/Binder, 2009; Sendrowski/Bronstein, 2010).

Eine Variante der Vitrektomie ist die von Mossa et al. entwickelte „floaterectomy", eine Kombination aus Phakoemulsifikation (Linsenaustausch) und vorderer Vitrektomie. Aufgrund der geringen Fallzahl und dem Fehlen vergleichbarer Studien kann diese Methode nicht abschliessend beurteilt werden.


Beurteilung der „off-label" Behandlungen

Der Tenor lautet: Aufgrund mangelnder Studien können momentan keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser „off-label" Behandlungen vertreten werden. Bei Patienten mit hohem Leidensdruck kann eine Behandlung in ausgewählten Fällen sinnvoll sein, da sie die Glaskörpertrübungen sowie den „mentalen Stress" (Sendrowski/Bronstein) beseitigen. Die Ärztin entscheidet von Fall zu Fall, nach der gründlichen Untersuchung des Patienten, der Abschätzung von seinem „Leidensdruck" und der Aufklärung der Risiken.


Plötzlich auftretende Mouches volantes (sudden onset of floaters)

Bis hierher wurden so genannte „idiopathische" Mouches volantes besprochen, d.h. ohne erkennbare Krankheit entstandene Mouches volantes, die sich oft monate- oder jahrelang nicht verändern und von den Ärzten als „gutartig" oder „harmlos" eingestuft werden.

Hollands et al. weisen aber darauf hin, dass das plötzliche Auftreten von monokularen (d.h. nur in einem Auge) Mouches volantes und/oder Blitzen möglicherweise Vorboten einer Netzhautablösung sind. Ihre Studie nennt Zahlen, um die Gefährdung von Menschen mit plötzlich auftretenden Mouches volantes zu beziffern: von den untersuchten Personen haben 14% einen Netzhautriss, oft begleitet von subjektiver visuellem Verlust. Aber auch Personen, denen eine unkomplizierte Glaskörperabhebung diagnostiziert wurde, haben in 3,4% der Fälle einen Netzhautriss innerhalb von 6 Wochen, das Risiko vermehrt sich mit dem Auftreten neuer Mouches volantes in diesem Zeitraum. Es wird gefordert, dass die Risikogruppen auf Netzhautrisse und –ablösungen untersucht werden.

Sendrowski und Bronstein listen neben den Netzhautrissen, -ablösungen und –blutungen weitere pathologische Ursachen für die Bildung von Mouches volantes: Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom und Stickler-Syndrom, Vitreoretinopathie durch Diabetes, Weiss Ring, Uveitis (Entzündung von Aderhaut, Iris, Ziliarmuskel).

Kommentar von Floco Tausin: Nichts neues im Westen.(vgl. News Mai 2005; News November 2005; 3/2008; 4/2009).

Literatur:

  • Barbosa, Andréa Lima; Martins, Elisabeth Nogueira. (2007). "Evaluation of Internet websites about floaters and light flashes in patient education". Arquivos Brasileiros de Oftalmologia 70, no. 5
  • Hollands, Hussein et al. (2009). "Acute-Onset Floaters and Flashes. Is This Patient at Risk for Retinal Detachment?" JAMA 302 (20): 2243-2249.
  • Krepler, K.; Binder, S. (2009). "Therapie von Glaskörpertrübungen – eine Übersicht". Spektrum der Augenheilkunde 23: 236-239
  • Mossa F. et al. (2002). „Floaterectomy: combined phacoemulsification and deep anterior vitrectomy". Journal of Cataract & Refractive Surgery 28 (4): 589–592
  • Sendrowski, David P.; Bronstein, Mark A. (2010). „Current treatment for vitreous floaters". Optometry 81: 157-161

von Floco Tausin (Leuchtstruktur-Verlag), Schweiz
Webseite: www.mouches-volantes.com

 
 
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