
Torhüter sind schon verrückte Menschen. Sie sind stets die Ersten und gehen als Letzte vom Platz. Ständige Konzentration wird von ihnen gefordert, da jeder Fehler von ihnen fatale Folgen haben kann. Ein Torwart ist man eben mit Leib und Seele.
Man muss diese Position wirklich lieben, denn man bekommt wenig Lob. Selbst, wenn der Keeper zu Null spielt war es eine gute Leistung der Abwehr und der Goalie hat halt seinen Job gemacht. Aber wehe, man patzt und das Spiel wird verloren. Dann ist immer der Mann im Tor der große Sündenbock.
Von Verrückten und anderen Fliegenfängern
Torhüter sind schon sehr verrückte Typen. Wenn man sich vorstellt, das einige Spieler den Ball mit Wahnsinnstempo auf den Kasten ballern, möchte man nicht mit dem Keeper tauschen. Der brasilianische Abwehrspieler Roberto Carlos kann einen Ball mit bis zu 155 km/h schiessen – Wahnsinn! Da reißt jeder Torwart nur die Fäuste hoch.
Was zeichnet einen guten Keeper aus?
Deutschland hat schon immer viele talentierte Torhüter hervorgebracht. Sepp Maier, Toni Schumacher, Bodo Illgner und Andreas Köpke waren Meister ihres Fachs. Bei der WM 2006 standen besonders Oliver Kahn und Jens Lehmann im Fokus. Aber wer kommt nach ihnen?
Ein Neuer Adler fliegt
Besonders Rene Adler und Manuel Neuer spielen sich momentan in die Öffentlichkeit. Die beiden talentierten Nachwuchskeeper haben die Stammkräfte in ihren Teams verdrängt und überzeugen mit guten Leistungen. Der 23-jährige Adler und auch der erst 21-jährige Neuer sind sehr stark im Spiel auf der Linie und sind beide neue Torwarttypen, die auch mitspielen können und so fast den Part eines Liberos verkörpern.
Der Ruf des Geldes
Mit den Leistungen steigt auch das Interesse anderer Vereine. Timo Hildebrand hat das auch bemerkt. Mit tollen Paraden war der ehemalige Keeper vom VfB Stuttgart maßgeblich am Gewinn der Meisterschaft beteiligt. Er ging nach Spanien, wo er jedoch nur das schöne Wetter genießen kann, denn an statt auf internationaler Bühne zu spielen, sitzt er beim FC Valenica nur auf der Bank. Ihm droht nun sogar der EM-Zug davonzufahren. Auf diesen kann einer der "jungen Wilden" vielleicht noch aufspringen.
Neuer zeigt seine Klasse
Der Schalker Torwart Manuel Neuer zeigte in dieser Saison eine eher durchwachsene Leistung. War er im Vorjahr noch der Held zwischen den Pfosten, musste der Keeper in dieser Spielzeit sehr viel Kritik einstecken. Ihm passierten einfach zu häufig haarsträubende Fehler. Jeder Torwart muss auch mit Kritik umgehen können, schließlich steht und fällt mit seiner Leistung das Spiel der Mannschaft.
Ausgerechnet im vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres wuchs Neuer über sich hinaus. Das Champions League Spiel gegen den FC Porto wird er wohl so schnell nicht vergessen. Durch glänzende Aktionen sicherte er seinem Team bis zum Schluss alle Möglichkeiten auf die nächste Runde. Er parierte die Bälle mit Händen und Füßen und musste nur einmal hinter sich greifen. Das Spiel ging in die Verlängerung und Neuer wurde immer besser. Es kam wie es kommen musste – die Partie musste im Elfmeterschiessen entschieden werden.
Das Tor wird immer größer
Das gute am Elfmeterschießen ist, das man als Torwart nichts zu verlieren hat. Während der Stürmer aus 11 Metern einfach treffen muss, ist für einen Keeper das Tor einfach nur riesig. Man steht auf der Linie und wartet auf den Schützen. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten. Soll ich mich vorher für eine Ecke entscheiden oder kann ich sehen, wo der Ball hinfliegt und komme ich noch rechtzeitig ran? Einem Goalie gehen so viele Gedanken durch den Kopf. Manuel Neuer glänzte mit einer beeindruckenden Leistung und konnte zwei Elfer parieren. Wahnsinn! Mit zwei Weltklasseparaden rettete er seinem Team den Sieg und brachte sich in die Schlagzeilen. So ist das halt beim Elfmeterschießen – als Torwart kannst du nur gewinnen.
Die neue Generation
Nun hofft Manuel Neuer zu Recht auf eine Teilnahme bei der Europameisterschaft 2008. Es bleibt abzuwarten, ob Bundestrainer Joachim Löw ihn als Ersatz mitnimmt. Die Ära Oliver Kahn geht zu Ende und auch Jens Lehmann wird vermutlich bald seine Handschuhe an den Nagel hängen. Dann ist der Weg frei für die „jungen Wilden" im Tor, die schon darauf brennen der Welt zu zeigen, was in ihnen steckt. Vielleicht kann Manuel Neuer ja schon bald im Elfmeterschießen gegen England jubeln.
Autor: Sebastian Bork