Abtreibung - Entscheidungsfindung
Pro Jahr werden Tausende von Schwangerschaftsabbrüchen vorgenommen. Dabei könnte man annehmen, dass sich diese Frauen mit der Beantwortung der Frage Abtreibung ja oder nein, leicht tun. In vielen Fällen ist das aber mitnichten der Fall.
Abtreibung ja oder nein? Werfen wir zuerst einen Blick darauf, unter welchen Kriterien eine Abtreibung eigentlich zulässig ist. Juristisch unterscheidet man beim Schwangerschaftsabbruch folgende 3 Tatbestände:
- Abtreibung aus medizinischen Gründen
- Schwangerschaftsabbruch aus kriminologischen Gründen
- Abtreibung auf eigenen Wunsch
Eine Abtreibung aus medizinischen Gründen ist im Regelfall dann notwendig, wenn die körperliche oder psychische Unversehrtheit der schwangeren Frau aufgrund der Schwangerschaft auf dem Spiel steht. Hier ist ein Schwangerschaftsabbruch, anders als bei einem Schwangerschaftsabbruch auf eigenen Wunsch und nach einer vorangegangenen Vergewaltigung, auch in einem fortgeschrittenen Stadium innerhalb der Schwangerschaft rechtens.
Ein medizinischer Grund besteht allerdings relativ selten. Eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung passiert sogar noch seltener. Der weitaus häufigste Grund für eine Abtreibung ist der Schwangerschaftsabbruch auf eigenen Wunsch.
Wenn keine medizinische oder kriminologische Indikation vorliegt, verstößt der Schwangerschaftsabbruch erst einmal gegen das Gesetz. Diese bleibt jedoch straffrei, wenn die Abtreibung nach der en Beratungsregelung geschieht. Getreu dieser Regelung muss eine ausführliche Beratung durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle stattfinden. Die schwangere Frau erhält von dieser Stelle (z. B. pro Familia) einen Nachweis, dass dieses Gespräch erfolgt ist.
Wenigstens drei Tage muss die Frau anschließend ausharren, bis der Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden darf. Abtreibung ja oder nein?
Vornehmlich für ungewollt Schwangere, die sich unsicher sind, ob sie diesen Eingriff vornehmen lassen sollten oder nicht, kann das Beratungsgespräch hilfreich sein, eine Entscheidung zu treffen.
Aus diesem Grund sollte man diese Chance nicht entgehen lassen und die jeweiligen Befürchtungen ganz direkt äußern. Oftmals genügt dieses Gespräch nicht, um einen Entschluss zu fassen.
Abtreibung ja oder nein? Wie kommt es, dass so viele Frauen sich mit der für sie richtigen Antwort auf diese Frage so schwer tun? Die Angst vor einer Fehlentscheidung ist oftmals gewaltig. Fällt die Entscheidung für das Kind, stehen bedeutende Änderungen an. Wenn die Entscheidung für den Abbruch fällt, geht man derart tiefgreifenden Veränderungen aus dem Weg.
Ungeachtet dessen bleibt auch eine Abtreibung nicht vollkommen ohne Folgen. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass die Entscheidung - Abtreibung ja oder nein? - eine der schwersten Entscheidungen überhaupt ist. Es kommt immer wieder vor, dass sich Selbstvorwürfe entwickeln, was dazu führen kann, dass sich psychische Störungen, wie Depressionen oder eine Angststörung einstellen. In den meisten Fällen stellen sich keine schweren psychischen Erkrankungen ein. Es ist aber normal, wenn man nach dem Schwangerschaftsabbruch trauert.
Die Tatsache, dass psychosomatische Probleme längst nicht immer der Fall sind, nützt zugegebenermaßen wenig, wenn die Betroffene zu denjenigen gehört, denen der Schwangerschaftsabbruch enorm zu schaffen macht.
Um eine Entscheidung treffen zu können, die man im Nachhinein nicht bereut, sollte man sich schon vor einem möglichen Eingriff intensiv mit dieser Entscheidung zu befassen. Neben Dialogen mit Freunden und Angehörigen, können Gespräche mit Mitarbeitern anerkannter Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen und Frauenärzten helfen, eine Entscheidung zu treffen, mit der man gut leben kann. Auch wenn man für diese Entscheidung nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung hat, sollte man seinen Entschluss nicht leichtfertig treffen, um sich nachher nichts vorwerfen zu müssen. Hier gibt es weiterführende Informationen zu der Frage Abtreibung ja oder nein?
Autor: Sebastian Krämer