Sixtinische Kapelle
Endlich ist es wieder Sommer in Rom. Städtereisen bieten sich zu dieser Zeit des Jahres ganz besonders an. Dabei sollte man sich gut informieren vor der Abreise nach Rom. Sehenswürdigkeiten erwarten Sie hier in Hülle und Fülle. Und gerade jetzt hält das Vatikanische Museum für Besucher ein ganz besonderes Erlebnis bereit. Vielleicht versetzt Sie allein schon der normale Rundgang durch die Vatikanischen Museen in pure Begeisterung. In den Schatten gestellt wird dieses Erlebnis aber noch einmal um Längen von einem Besuch der heiligen Hallen außerhalb der normalen Öffnungszeiten. In diesem Sommer und Herbst öffnen die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle in der Zeit vom 6. Mai bis zum 15. Juli und vom 2. September bis zum 28. Oktober jeweils freitags abends ihre Türen für abendliche Sonderführungen. Der Allgemeinheit ist es normalerweise nicht gestattet, das Museum noch zu so später Stunde zu betreten. Wenn Sie aber die Führung durch die Vatikanischen Museen mit Beginn um 19:30 Uhr vorbuchen, können Sie in den Genuss dieser Sonderöffnungszeiten kommen.
Der Gang durch die leeren, spärlich beleuchteten Hallen der Vatikanischen Museen im Schutze der Dunkelheit ist eine sehr persönliche Erfahrung, die die Vorstellungskraft vieler Besucher übersteigt, da sie nur die Führungen zu den normalen Öffnungszeiten am Tag kennen, bei denen manchmal, ob des Ansturms der Besuchermassen, pures Chaos zu herrschen scheint. Da stehen sie immer dicht an dicht mit anderen Besuchern. Die Hallen sind erfüllt von einem lauten Brummen, zu dem die Stimmen der vielen dort anwesenden Besucher verschwimmen. Stellen Sie sich stattdessen einmal vor, bei Ihrem Besuch der Sixtinischen Kapelle herrschte einfach nur himmlische Ruhe und Sie wären bereit, die Schönheit dieses Kunstwerkes ganz unverfälscht auf sich wirken zu lassen. Nichts, was sie ablenken könnte.
Drinnen kommt dann natürlich auch ein Hauch von Romantik ins Spiel. Es wird Abend. Es gibt kaum Licht, das durch die Fenster in den Mauern fällt. Deshalb wird der erste Halt beim Rundgang, der Innenhof, mit Kerzen beleuchtet. Vom Innenhof sieht man die Lichter des Petersdomes und den Dom, wie er vor dem dunklen Himmel in blauer Farbe leuchtet. Die Atmosphäre ist zauberhaft und unmerklich reist man mit seiner Vorstellungskraft zurück in vergangene Zeiten, während die Reiseführerin von den extravaganten Bällen und Banketten erzählt, die einst an diesem Ort veranstaltet wurden.
Bei der Beleuchtung kommt man sich schnell so vor, als würde man ohne Einladung durch das Haus eines wohlhabenden Fremden schleichen. An diesem Punkt wird die Führung dann auch fast schon ein bisschen seltsam. Die Vatikanischen Museen, so weiß die Reiseführerin zu berichten, waren nicht immer Museen, sondern einst der private Palast von niemand geringerem als dem Papst selbst. In den hohen Hallen scheinen uns die Geister der verstorbenen Päpste zu folgen und die Gemälde und Skulpturen mit gespenstiger Unruhe zu erfüllen. Es scheint so, als würden die Kunstwerke anstatt der Reiseführerin selbst zu einem sprechen, während man an ihnen vorübergeht. Ganz außergewöhnliche Dinge erzählen sie einem dabei über die eigene Entstehungsgeschichte. Für eine Sekunde ist es fast so, als ob der Papst selbst hinter einer Ecke in seinem Nachtumhang und Pantoffeln hervortreten würde und die Besuchergruppe als nächtliche Störenfriede ins Visier nimmt. Man kommt sich fast so vor, als müsste man ganz vorsichtig auf Zehenspitzen gehen, während man gemeinsam mit seinen Tour-Komplizen Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten heimlich an sich nimmt.
Wem sich solch eine Gelegenheit bietet, der sollte die Abendführung auf keinen Fall verpassen. Wenn Sie gerade in der glücklichen Lage sind, selbst in Rom zu sein, dann nutzen Sie diese einmalige Chance. Möglicherweise wird es sie kein zweites Mal geben. Ganz besonders toll ist es, zu wissen, dass man diese Erfahrung mit nur ganz wenigen Menschen auf der Welt teilen kann. Es kommt nicht sehr häufig vor, dass man eine so seltene Erinnerung als Souvenir mit nach Hause