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Aachener Augenheilanstalt

Autor: RMS-Scriptorin | Erstellt am: 02.05.2011 | Gelesen: 615
Kategorie: Bau - Planung & Architektur | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Ein denkmalgeschützter Linse-Bau des 19. Jahrhunderts.

Front der Aachener Augenheilanstalt (1888)
Front der Aachener Augenheilanstalt (1888)
Die Aachener Augenheilanstalt, auch Augenheilanstalt in den Rheinlanden, ist ein 1887–1888 nach Entwurf des Architekten Eduard Linse errichtetes Krankenhaus in Aachen, Stephanstraße 16–20, das heute als Jugendheim genutzt wird. Das historistische Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Geschichte
Die Grundsteinlegung der neuen Augenheilanstalt findet Ende April 1887 statt. Der Aachener Architekt Eduard Linse erstellt den Entwurf und hat die Oberleitung bei der Ausführung. Als Bauführer ist A. Henrisch tätig. Ende Oktober 1888 wird die Augenheilanstalt feierlich eröffnet.

Heute ist in diesem Bauwerk die Einrichtung Offene Tür (OT) Carl Sonnenschein, Jugendheim der Pfarre St. Jakob der Stadt Aachen untergebracht. Die Räumlichkeiten werden auch für Feiern der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, der RWTH genutzt.

Beschreibung
Die gestalterische Idee des Architekten ist eine Tempelanlage als Profanbau zur Präsentation der Ophthalmologie. Die Funktion des Gebäudes ist an der heute nicht mehr vorhandenen Inschrift „AUGENHEILANSTALT" abzulesen.

Linse passt das Haus der Straßenfluchtlinie an. Zu dem Bauobjekt gehört eine 900 qm große Landschaftsarchitektur mit Gartenkunst in Form von einem Rundweg, Grünflächen und Baumbepflanzung. Im Gegensatz zu der eher schlichten Baugestaltung ist die Landschaftsarchitektur pittoresk in Rokoko-Manier gestaltet. Wegen der Kürze des Grundstücks wird der zehn Meter lange Vorgarten nicht ausgeführt. Die Krankenzimmer liegen nach Nordosten zum Schutz der Augenkranken vor extremen Sonnenlicht. Vor den Krankenzimmern der Obergeschosse sind in dem drei Meter breiten Korridor Ruhebänke platziert.

Die Etagen des dreigeschossigen Bauwerks haben im Parterre, in der Poliklinik und im Wirtschaftsbereich eine Höhe von 4,65 m, auf der ersten für männliche Patienten und der zweiten Etage für weibliche Patienten 4,55 m. In dem dritten Stockwerk liegen die Trockenspeicher und Mansardenzimmer. Das Gebäude ist unterkellert mit einem Untergeschoss. Von den sieben Achsen sind drei risalitförmig mit Überhöhung und mittig angeordnetem Haupteingang gestaltet. Die Tiefe von dem Risalit zu der Rücklage misst circa 50 cm. Ein schmales Tympanonfeld über einer Konsolreihe, Eck- und First-Akroterien bekrönen den Risalit. Der Ökonomiebereich hat einen separaten Hauseingang in der ersten linken Achse. Das erste und zweite Geschoss weisen Ziegel und zeitgemäßen Greppiner Klinker als Sichtmauerwerk, dem Verblender auf. Die gelbe und rote Farbe der Ziegel ermöglicht eine bandförmige Musterung der Fassade. Diese Ornamentgestaltung setzt Linse besonders im Erdgeschoss ein, das mit einem länglichen Hexagon–Fries zur ersten Etage hin abschließt. Das dritte Geschoss ist ohne Blendwerk aus rotem Kyllburger Sandstein ebenso die Gesimse, Fenster- und Türgewände. Die dritte Etage ist mit Zwillingsfenstern und mittiger Säule mit hellenistischer Teilkannelur gestaltet. Zu der Dachkante schließt sie mit einer Konsolreihe ab. Die zweite Etage hat geradlinige Sturzquader, die erste Rundbogenfenster. Bei der Rückfront ist der Risalit tiefer angelegt. Die Rücklage der ersten Etage hat je eine Loggia, die zweite offene Terrassen. Aus feuerfestem Eisen und Granitstufen ist die Haupttreppe. Die gewölbten Flure sind mit Terrazzo-Mosaik dekoriert. Eichenholz-Riemenparkett überziehen die Fußböden. Graugrüner Leim- oder Ölfarbenanstrich befindet sich in den Zimmern der Kranken und den Untersuchungsräumen. Das Assistenzarzt-Wohnzimmer, das Oberarzt-Privatzimmer und das Kuratoriums-Sitzungszimmer sind tapeziert. Die elektrische Klingelanlage und Sprachrohre dienen der Kommunikation innerhalb des Hauses.

Von der Firma Bechem & Post in Hagen stammen die Zentralheizungs- und Lüftungsanlage mit einem konzessionsfreien kleinen Niederdruck-Dampfkessel. Er muß einmal pro Tag geschürt und mit Koks nachgefüllt werden. Zu der Heizanlage gehören Heizkörper aus Gusseisen in den Räumen. Zudem befindet sich in dem Untergeschoss ein Desinfektionsapparat der Kölner Firma Arnoldi & Wiedemann. Die Zimmer der Patienten sind zur Lichtabdämpfung mit Rolljalousien versehen, die in verzinkten Eisenrahmen laufen, und werden mit Gaslicht beleuchtet. Über eine städtische Wasserleitung erfolgt die Trinkwasserversorgung. Das Waschwasser wird einer Regenzisterne entnommen.

©RMS-Scriptorin, alias: Rosa-Marita Schrouff
 
 
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