Dorfgruppe im Projekt „Ein Leben lang genug Reis“: Die Frauen erhalten ein Startkapital zur Erzielun
Durch die Hilfe von NETZ konnten sich im Jahr 2009 insgesamt 18 212 Familien in Bangladesch, die bisher unter Hunger leiden mussten, ein eigenes Einkommen erwirtschaften. 71 026 Familienmitglieder haben somit eine wesentlich bessere Ernährung erhalten. Das verrät der Jahresbericht der Solidaritätsbewegung mit Bangladesch, die in Wetzlar ihren Sitz hat. Das Selbsthilfe-Programm „Ein Leben lang genug Reis“ von NETZ zielt nämlich darauf ab, dass sich die ärmsten Familien eigenständig ihren Lebensunterhalt verdienen können. Über 2,9 Millionen Euro hat der gemeinnützige Verein im vergangenen Jahr für die Bekämpfung des Elends und zur Förderung der Menschenrechte in Bangladesch eingesetzt.
„Durchschnittlich alle drei Minuten stirbt in dem südasiatischen Land ein Kind an den Folgen von Armut und Hunger", berichtet NETZ-Projektkoordinator Peter Dietzel, und fügt gleich hinzu: „wer sich bei NETZ engagiert, mit ehrenamtlichen Aktionen oder als Spender, findet sich mit dieser Grausamkeit nicht ab". Gezielt hat deshalb NETZ sein Engagement im Projekt „Ein Leben lang genug Reis" ausgebaut. Gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort und notleidenden Frauen haben die Bangladesch-Experten dieses Selbsthilfe-Programm entwickelt: Die Mütter bekommen ein Startkapital – zum Beispiel eine Kuh, Ziegen, eine Rikscha oder Saatgut und die Pachtgebühr für den Anbau von Reis. Sie erhalten Schulungen, in Gemüseanbau, Tierhaltung und Katastrophenvorsorge. Zusätzlich werden sie in Selbsthilfe-Strukturen aufgefangen und unterstützt. Einheimische Entwicklungshelfer kommen regelmäßig ins Dorf, um die Frauen zu beraten. „Mit dem Einkommen, das die Familien erzielen, können sie sich selbst ernähren und für Kleidung und Bildung der Kinder sorgen", verdeutlicht Dietzel die Bedeutung dieser Selbsthilfe.
Die Auswahl der Familien für das Programm „Ein Leben lang genug Reis" erfolgt nach präzisen Kriterien. Nur die Bedürftigsten erhalten Hilfe: Familien mit unterernährten Kindern, ohne eigenes Land, darunter viele allein erziehende Mütter und Angehörige ethnischer Minderheiten. Zu Beginn der Arbeit in einem Dorf wird die Ausgangssituation exakt erfasst. Dadurch garantiert NETZ die Einhaltung der Kriterien. Drei Jahre später werden die Veränderungen, die das Projekt bewirkt, ausgewertet. Das tägliche Pro-Kopf-Einkommen der Familien, die im Jahr 2007 neu in das Programm aufgenommen wurden, lag umgerechnet durchschnittlich bei 11,7 Euro-Cent. Das liegt weit unter dem absoluten Lebensminimum der Familien. Durch das Projekt haben sie ihr Einkommen nahezu verdreifacht: Ende 2009 betrug es inflationsbereinigt 31,1 Cent pro Kopf und Tag. Karg leben die Familien weiterhin, doch das Projekt ist die entscheidende Wende in ihrem Leben. 86 Prozent können sich nun das ganze Jahr hindurch drei Mahlzeiten täglich leisten. Unabhängige Experten, die das Projekt ausgewertet haben, bestätigen, dass sich die Familien dauerhaft aus dem Elend befreien.
Zudem förderte NETZ im vergangenen Jahr die Schulbildung von 21 252 Kindern. Sie lernten Lesen, Schreiben und Rechnen in Grundschulen, die von NETZ aufgebaut und gefördert wurden. Zur Verbesserung der Rechte der Frauen, der landlosen Familien und der Minderheiten arbeitet NETZ mit den führenden Menschenrechtsorganisationen des Landes zusammen. Auf diese Weise wurden 5 673 Frauen und Männer in ländlichen Regionen als Beobachter zur Einhaltung von Menschenrechten geschult. „Diesen Erfolg haben die vielen Aktiven in NETZ und viele Spenderinnen und Spender ermöglicht", betont NETZ-Mitarbeiter Dietzel.
Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, betrugen die Ausgaben von NETZ im Jahr 2009 über 2,9 Millionen Euro. Das ist der höchste Betrag seit Entstehen der Bangladesch-Solidaritätsbewegung vor 30 Jahren. 59,7 Prozent flossen in das Projekt „Ein Leben lang genug Reis", 15,9 Prozent in die Schulbildung für Kinder und 5,7 Prozent in die Verbesserung der Menschenrechtssituation. Der Aufwand für Verwaltung und die Kommunikation mit den Spendern betrug nach Angaben von NETZ 5,9 Prozent. Die finanziellen Mittel stammen aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen staatlicher, kirchlicher und privater Institutionen. Die größten Zuschussgeber waren die Europäische Union, das deutsche Entwicklungsministerium und die britische Regierung.
NETZ hat auch in diesem Jahr vom „Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen" das Spenden-Siegel verliehen bekommen. Es steht für einen sorgsamen Umgang mit den Spenden. Der Jahresbericht 2009 kann im Internet unter www.bangladesch.org abgerufen werden.