Berggorilla; Foto: Christian Kaiser
Bis heute ist die
Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD) der einzige auf Gorillaschutz spezialisierte Verein Deutschlands. Da er über keinen Verwaltungsapparat verfügt, kein Geld für Werbung ausgibt und alle Mitarbeiter unentgeltlich arbeiten, kommen sämtliche Spenden direkt bei den Projekten an.
"Die Arbeit von B&RD sichert Nachhaltigkeit im Gorillaschutz", attestiert der Schweizer Carlos Schuler. "Mit Unterstützung von B&RD konnten wir sehr oft dort eingreifen, wo Gelder zu Ende waren." Schuler war viele Jahre Mitarbeiter der Gesellschaft für technologische Zusammenarbeit (GTZ) im Gorillaschutzgebiet des Nationalparks Kahuzi-Biega in der Demokratischen Republik Kongo. Er ist heute selbstständiger Hotelier in Bukavu im Ostkongo. Besonders die ehrenamtliche Tätigkeit der B&RD beeindruckt ist Schuler: "Finanzielle Ausgaben für administrative Arbeiten werden auf ein Minimum reduziert. Die Hilfsgelder kommen durch Mitarbeiter in den Schutzgebieten vor Ort direkt den wichtigen Aktivitäten zugute. In großen NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) wird dagegen ein bestimmter Prozentsatz der finanziellen Mittel durch Planungen, Evaluierungen und Reisen verzehrt. Die Arbeit von B&RD zeigt, dass man auch mit kleineren finanziellen Ressourcen Großes bewegen kann."
Auch der Zoologe und Verhaltensforscher Jörg Hess, bekannt für seine Erforschung der Mutter-Kind-Beziehung bei den Berggorillas und ein profunder Kenner des Gorillaverhaltens, sagt auf die Frage, wie man Berggorillas effizient helfen könne: "Das ist eine Frage, die ich oft gestellt bekomme. Seit längerer Zeit ist mein Rat immer derselbe: über die B&RD. Sie bietet kurze Entscheidungswege und macht vor allem in Notsituationen rasches Handeln möglich."
Informationsmaterial - im Wohnzimmer gelocht und geheftet
Rolf Brunner, Mitglied der ersten Stunde und noch heute im Vereinsvorstand tätig, erinnert sich: "Wir konnten uns keinen großen Presseaufwand leisten, also gab es nur Mund-zu-Mund-Propaganda." Damals gab es noch keinen PC, der die anfallenden Arbeiten erleichterte. Die ersten Vereinszeitungen waren Kopien von Zeitungsberichten mit wenigen selbst verfassten Texten. "Die Zeitungen wurden in unserem Wohnzimmer sortiert, gelocht und geheftet. Die Poster waren noch handgeschrieben."
Prominentester Kämpfer für das Überleben der Gorillas war der Biologe Klaus-Jürgen Sucker, Mitbegründer des Vereins. Er leitete von 1989 bis 1994 das Mgahinga Gorilla National Park Project (MGNPP) in Uganda. Sucker gelang, dass ein im Dreiländereck Uganda, Demokratische Republik Kongo (damals noch Zaire) und Rwanda gelegenes, völlig vernachlässigtes Wildschutzgebiet, die Mgahinga Forest Reserve, im Mai 1991 vom ugandischen Parlament zum Mgahinga-Gorilla-Nationalpark erklärt wurde.
Im Juni 1992 wurde der bis dahin nur 24,5 km² große Nationalpark unter seiner Leitung dann auf 33,7 km² ausgeweitet. Es war das erste und bislang einzige Mal in der Geschichte des Berggorillaschutzes, dass der stetig schrumpfende Lebensraum der Großaffen vergrößert werden konnte.
Sucker führte, wie Dian Fossey im benachbarten Virunga-Nationalpark in Rwanda, streng reglementierten Gorillatourismus ein und unterband erfolgreich Wilderei und andere illegale Eingriffe. Die Anzahl der Berggorillas, die das Gebiet in dieser Zeit frequentierten, verdoppelte sich fast.
Am 20. Juni 1994 wurde Klaus-Jürgen Sucker unter bis heute ungeklärten Umständen erhängt in seinem Wohnhaus in Kisoro aufgefunden. Die von offiziellen Stellen verbreitete Erklärung einer Selbsttötung ist bis zum heutigen Tage nicht nachgewiesen und wird von Weggefährten und Freunden vehement angezweifelt. Vielfach wird Suckers Wirken und rätselhafter Tod mit dem Schicksal seines ungleich bekannteren Vorbilds, der US-amerikanischen Primatologin Dian Fossey, verglichen, die im Dezember 1985 in Ruanda ermordet wurde.
Zeitgemäßer Gorillaschutz: Direkt, mit Fachjournal und Webseite
Von den Berggorillas im Dreiländereck Demokratische Republik Kongo/Ruanda/Uganda weitete sich der Fokus des Vereins bald auf andere, ebenfalls bedrohte und weniger bekannte Gorillabestände aus: die Grauergorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark und anderen Gebieten Ostafrikas, später auch auf die Westlichen Flachland- und die Cross-River-Gorillas im westlichen Afrika.
Für Mitglieder, Forscher und Gorillafreunde bringt die B&RD regelmäßig das "Gorilla-Journal" in Deutsch, Englisch und Französisch heraus. Vorstandsmitglied Dr. Angela Meder: "Das Gorilla-Journal informiert alle Interessierten über Neuigkeiten aus Gorillaforschung und -schutz." Primatologe Jörg Hess lobt: "Die Zeitschrift ist spannend, aktuell, kompetent, überaus informativ und ansprechend gestaltet. Sie verbindet langfristig nicht nur mit Spendern und Mitgliedern, sondern auch mit den Berggorillas." Eine weitere Informationsquelle ist www.berggorilla.org. Dr. Meder: "Unsere Webseite ist inzwischen zu einer zentralen Informationsquelle für alle diejenigen geworden, die seriöse, aktuelle Informationen über Gorillas suchen. Wir halten sie ständig auf dem neuesten Stand."
Die Menschen vor Ort einbeziehen
Der Lebensraum der Gorillas ist der Regenwald. Die B&RD will die Zerstörung der Wälder verhindern, vor allem in sehr dicht besiedelten Gebieten, wo nur noch kleine Waldflächen erhalten sind. Die Aufforstung abgeholzter Areale mit heimischen Baumarten wird gefördert. Aber Gorillaschutz bedeutet nicht nur, die natürlichen Lebensräume der sanften Riesen zu bewahren, sondern auch für die notwendige Akzeptanz der Schutzprojekte bei der einheimischen Bevölkerung zu sorgen, mit dem Ziel, dass diese die Projekte aktiv unterstützt und nicht zuletzt auch von ihnen profitiert. Daher fördert die B&RD Projekte, die die lokale Bevölkerung über die Bedeutung der Schutzgebiete und die Folgen der Abholzung und anderer schädlicher Folgen der Waldnutzung aufklärt.
Wildhüter, die entscheidend zum Schutz der Gorillas beitragen, erhalten regelmäßig Ausrüstungsgegenstände, damit sie in den fast undurchdringlichen Wäldern arbeiten können. Auch in Kriegszeiten bemüht sich der Verein, den Kontakt zu den Wildhütern und Nationalparkverantwortlichen zu halten. Dr. Meder: "Diese Menschen versuchen selbst unter lebensgefährlichen Bedingungen, so lange wie möglich regelmäßige Patrouillen durchzuführen und den Gorillas ein Mindestmaß an Schutz zu gewährleisten."
Rolf Brunner beschreibt, wie sich das Engagement von B&RD seit den Anfängen verändert hat: "Mittlerweile haben wir mit dem kongolesischen Biologen Claude Sikubwabo Kiyengo einen wirklich sehr guten Mitarbeiter gewonnen, der für uns viele Kontakte vor Ort knüpft und Hilfeleistungen für uns organisiert. Er vertritt uns auf Treffen der NGOs in Afrika. Von ihm erfahren wir über benötigte Hilfen.
Darüber hinaus vermittelt uns Claude wertvolle Informationen über die Organisationen, die um Hilfe anfragen, so dass wir sicher sein können, dass die Unterstützung richtig ist und ankommt. Damit auch die Bevölkerung die Vorteile des Gorillaschutzes kennenlernt, haben wir über eine deutsche Lehrerin in Uganda, die mit einem ugandischen Arzt verheiratet ist, die Möglichkeit, von einheimischen Frauen vor Ort Pullover für die Wildhüter in den Nationalparks anfertigen zu lassen." Und stolz fügt er an: "In Afrika haben wir einen guten Namen im Gorillaschutz."
Gorillas brauchen nach wie vor Hilfe – besonders im "UN-Jahr des Gorillas"
Nach 25 Jahren haben sich zumindest in einigen Regionen die Zahlen der Gorillas stabilisiert. Neue Schutzgebiete für die Primaten sind entstanden. Aber auch im Jahr 2009, das die UN zum Jahr des Gorillas erklärt hat, ist der Lebensraum der großen Menschenaffen noch immer bedroht. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit kann die B&RD garantieren, dass Hilfsgüter direkt bei den jeweiligen Projekten ankommen. Es wird kein starres Konzept verfolgt, Entscheidungen werden für den Einzelfall, schnell und unbürokratisch, entsprechend der jeweiligen Situation und den Bedürfnissen, getroffen.
Jörg Hess formuliert einen Geburtstagsgruß: "Eigentlich genügt zum Jubiläum die herzliche Gratulation, ein Dankeschön für die vergangenen 25 Jahre - und es gibt den Wunsch für ein erfolgreiches Danach."
Ulrich Karlowski